Wer in Ingolstadt nach jemandem sucht, der eine Website baut, findet schnell zwanzig Angebote — von der Agentur mit Empfangstresen über den Einzelkämpfer bis zum Neffen, der „sowas kann“. Die Preise reichen von dreihundert bis dreißigtausend Euro. Dass die Entscheidung schwerfällt, ist kein Wunder.
Ich arbeite selbst hier, also habe ich naturgemäß ein Eigeninteresse. Trotzdem schreibe ich diesen Text so, dass er dir auch dann hilft, wenn du dich am Ende für jemand anderen entscheidest. Das Wichtigste vorweg: Die Frage ist nicht, wer die schönsten Seiten baut. Die Frage ist, wer dein Geschäft versteht.
Wonach im ersten Gespräch gefragt wird
Das ist für mich der aussagekräftigste Punkt überhaupt, und du merkst ihn in den ersten zehn Minuten.
Wer sofort über Farben, Schriften und Startseiten-Slider spricht, baut dir eine Oberfläche. Wer zuerst fragt, wie deine Kunden zu dir kommen, was sie vorher bei Mitbewerbern angeschaut haben und woran Aufträge bei dir typischerweise scheitern, baut dir ein Werkzeug.
- Wer sind deine besten Kunden, und woher kamen sie?
- Welche Fragen stellen dir Interessenten immer wieder am Telefon?
- Was unterscheidet dich von den zwei, drei anderen in der Region?
- Was soll jemand nach dem Besuch der Seite tun?
Kommen diese Fragen nicht, wirst du sie später selbst beantworten müssen — meist dann, wenn die Seite schon steht.
Wer schreibt die Texte?
Diese eine Frage entscheidet über Wochen deiner Arbeitszeit. In vielen Angeboten steht kleingedruckt „Texte werden vom Kunden geliefert“. Das klingt harmlos und ist der häufigste Grund, warum Websites ein halbes Jahr im Entwurf hängen bleiben.
Frag direkt: Schreibst du die Texte, oder ich? Wenn die Antwort „du“ lautet, frag nach, wie viele Stunden das erfahrungsgemäß kostet. Und wenn jemand sagt, er schreibe sie, frag, woher er weiß, was drinstehen muss — genau dort landest du wieder bei den Fragen aus dem ersten Punkt.
Eine Website scheitert selten am Design. Sie scheitert daran, dass niemand die Texte schreibt.
Referenzen richtig lesen
Fast jeder zeigt Referenzen. Interessant ist, was dabei nicht gezeigt wird.
Drei Dinge, die du prüfen kannst
- Sind die Seiten noch online? Ruf zwei, drei davon auf. Tote Links in einem Portfolio sagen mehr als jede Selbstbeschreibung.
- Sind es Betriebe wie deiner? Wer bisher nur Onlineshops gebaut hat, muss bei einer Handwerksseite mit anderen Fragen anfangen.
- Steht dort, was erreicht wurde? „Neue Website für Firma X“ ist ein Bild. „Fast jeder vierte Besucher geht bis zur Kontaktseite“ ist ein Ergebnis.
Und der beste Weg kostet fünf Minuten: Ruf einen der genannten Betriebe an und frag, wie die Zusammenarbeit war. Die meisten antworten gern und ehrlich.
Was nach dem Livegang passiert
Eine Website ist kein Möbelstück, das man aufstellt und stehen lässt. WordPress, Erweiterungen und Sicherheitsupdates brauchen regelmäßige Pflege, Inhalte veralten, Telefonnummern ändern sich.
Klär deshalb vor dem Auftrag drei Punkte: Wer macht die Updates? Was kostet eine kleine Änderung in einem Jahr? Und, am wichtigsten: Wem gehören Domain, Hosting und Zugänge? Wenn die Seite auf einem Konto liegt, auf das nur der Dienstleister Zugriff hat, kannst du bei Streit weder wechseln noch etwas mitnehmen. Das ist ärgerlicher als jeder Gestaltungsfehler.
Preise einordnen
Bei Websites vergleicht man selten Gleiches. Der Unterschied zwischen 800 und 5.000 Euro steckt fast nie in der Optik, sondern in dem, was jemand mitmacht: Struktur, Texte, Suchmaschinen-Grundlagen, Abstimmungsrunden, Einweisung, Betreuung danach.
Lass dir deshalb nicht nur einen Endpreis nennen, sondern eine Aufschlüsselung. Und frag, was es kostet, wenn ein Punkt dazukommt. Wer darauf klar antwortet, wird dich auch im Projekt nicht überraschen.
Muss es jemand aus der Region sein?
Technisch nicht. Vieles lässt sich per Video klären, und ich arbeite auch mit Betrieben außerhalb zusammen.
Zwei Dinge sprechen trotzdem für die Nähe. Erstens: Wer den Ort kennt, versteht schneller, wovon du sprichst — ob dein Kundenkreis eher aus Gaimersheim kommt oder aus dem Süden, was hier üblich ist, wer sonst noch am Markt ist. Zweitens: Ein Termin bei dir im Betrieb bringt in einer Stunde mehr als drei Videogespräche. Man sieht, wie gearbeitet wird, und das landet später im Text.
Ein Warnzeichen, das oft übersehen wird
Wenn jemand zu allem ja sagt. Ein Erstgespräch, in dem jeder Wunsch bestätigt wird und niemand widerspricht, fühlt sich angenehm an und ist ein schlechtes Zeichen. Wer Erfahrung hat, kennt Ideen, die selten funktionieren, und sagt das auch. Widerspruch im Erstgespräch ist ein Qualitätsmerkmal, kein Mangel an Kundenfreundlichkeit.
Fazit
Such nicht nach dem besten Portfolio, sondern nach der besten Zusammenarbeit. Wer die richtigen Fragen stellt, die Texte übernimmt, Referenzen offen zeigt, den Ablauf nach dem Livegang klärt und dir auch mal widerspricht, liefert am Ende eine Seite, die etwas bringt. Ob sie gefällt, entscheidet sich ohnehin erst, wenn sie funktioniert.
Wie ich selbst arbeite, steht unter Zusammenarbeit und strategisches Webdesign. Wenn du schon eine Website hast und erst wissen willst, ob sich eine neue überhaupt lohnt, ist der Website-Check der günstigere Anfang. Und warum gutes Aussehen allein keine Anfragen bringt, habe ich hier beschrieben.