Kontaktformular optimieren: warum Anfragen ausbleiben

Die Leute kommen auf die Website — sie schreiben nur nicht. Woran das beim Kontaktformular liegt, welche Felder sich streichen lassen und was daneben stehen sollte, damit aus Besuchern Anfragen werden.
Rita Sieber Webdesignerin & Wirtschaftspsychologin

Die meisten Websites, die ich mir ansehe, haben kein Sichtbarkeitsproblem. Die Leute kommen an — sie schreiben nur nicht. Und fast immer liegt der Bruch an derselben Stelle: an dem Moment, in dem jemand vom Lesen ins Handeln wechseln müsste. Dieser Moment ist das Kontaktformular. Es ist der schmalste Punkt der ganzen Website, und er wird meistens am wenigsten durchdacht.

Ein Formular zu optimieren heißt nicht, es hübscher zu machen. Es heißt, die Hürde zu senken, die jemand im Kopf überwindet, bevor er auf „Senden“ klickt. Darum geht es hier.

Was im Kopf passiert, bevor jemand schreibt

Eine Anfrage ist keine Kleinigkeit. Wer sie abschickt, gibt Kontrolle ab: Er nennt seinen Namen, seine Adresse, manchmal sein Budget, und weiß nicht genau, was danach passiert. Ruft die gleich an? Lande ich in einem Newsletter? Bekomme ich in zwei Wochen ein Angebot, das ich nie wollte?

Aus der Verhaltenspsychologie kennt man das als Verlustaversion: Ein möglicher Nachteil wiegt schwerer als ein gleich großer Vorteil. Übertragen aufs Formular heißt das — die Angst vor einem lästigen Verkaufsgespräch wiegt schwerer als die Aussicht auf ein gutes. Genau diese Angst kann man mit zwei, drei Sätzen entkräften. Man muss sie nur erst einmal ernst nehmen.

Drei Fragen, die jeder still mitdenkt

  • Was passiert, nachdem ich abgeschickt habe? Wer antwortet, wie schnell, in welcher Form.
  • Verpflichte ich mich damit zu etwas? Kostet das schon Geld, kommt ein Vertreterbesuch, ist das ein Angebot.
  • Bin ich hier überhaupt richtig? Ist mein Vorhaben zu klein, zu groß, zu speziell.

Die dritte Frage wird am häufigsten unterschätzt. Viele Menschen schreiben nicht, weil sie glauben, ihr Anliegen sei zu banal. Ein Satz wie „Auch kleine Vorhaben sind willkommen“ holt mehr Anfragen als jede Farbänderung am Knopf.

Wie viele Felder wirklich nötig sind

Jedes Feld ist eine kleine Entscheidung, und jede Entscheidung kostet Energie. Das gilt besonders am Telefon in der Warteschlange oder abends auf dem Sofa, wo die meisten Anfragen entstehen.

Meine Faustregel: Abgefragt wird nur, was für eine sinnvolle Antwort nötig ist. Für ein Erstgespräch sind das in der Regel Name, E-Mail und eine freie Nachricht. Telefonnummer, Firmenname, Budgetrahmen oder Wunschtermin lassen sich im Gespräch klären — und dort ohnehin besser.

Pflichtfelder ehrlich prüfen

Das Formular Feld für Feld durchgehen und bei jedem eine Frage stellen: Kann ich ohne diese Angabe antworten? Wenn ja, ist es kein Pflichtfeld. Häufig sind zwei Drittel der Sternchen reine Gewohnheit.

Ein Sonderfall sind Auswahlfelder für das Thema der Anfrage. Sie wirken ordentlich, zwingen den Absender aber, sich in eine fremde Schublade einzuordnen, bevor er überhaupt beschrieben hat, worum es geht. Ein freies Textfeld ist fast immer die bessere Wahl.

Ein Formular ist kein Antrag. Es ist der Anfang eines Gesprächs — und so sollte es sich auch lesen.

Was neben dem Formular stehen sollte

Das Formular selbst ist nur die halbe Miete. Entscheidend ist, was drumherum steht. Drei Dinge gehören für mich immer daneben:

  • Eine Antwortzusage. „Ich melde mich werktags innerhalb eines Tages“ nimmt die Ungewissheit raus. Und diese Zusage muss dann auch halten.
  • Was als Nächstes passiert. Ein Satz zum Ablauf: kurzes Gespräch, unverbindlich, kostenlos, etwa eine Stunde.
  • Ein zweiter Weg. Telefonnummer und E-Mail sichtbar daneben. Manche Menschen füllen grundsätzlich keine Formulare aus.

Dazu kommt der Datenschutzhinweis. Er ist Pflicht, aber er muss nicht abschrecken. Statt eines Absatzes Juristendeutsch reicht ein Satz plus Link — und daneben der Hinweis, dass die Angaben ausschließlich zur Antwort genutzt werden.

Die Bestätigung gehört zum Formular

Was nach dem Klick passiert, entscheidet über den ersten Eindruck von der Zusammenarbeit. Eine graue Zeile „Vielen Dank, Ihre Nachricht wurde gesendet“ ist eine verschenkte Gelegenheit.

Besser: Wiederhole, was passiert und wann. Nenne einen konkreten Zeitraum. Und schick eine automatische Bestätigung per E-Mail, in der dasselbe noch einmal steht. Das kostet einmal zehn Minuten Einrichtung und verhindert die häufigste stille Absage — dass jemand nach zwei Tagen denkt, seine Nachricht sei untergegangen, und jemand anderen fragt.

Fehler, die ich immer wieder sehe

  • Das Formular liegt nur auf der Kontaktseite. Wer auf einer Leistungsseite überzeugt wurde, muss erst suchen.
  • Der Knopf heißt „Absenden“. Besser ist, was danach passiert: „Anfrage senden“ oder „Erstgespräch anfragen“.
  • Fehlermeldungen erscheinen erst nach dem Abschicken und löschen die Eingaben.
  • Auf dem Handy sind die Felder zu klein oder das Tastaturlayout passt nicht zum Feldtyp.
  • Niemand hat das Formular je selbst ausgefüllt. Den Test einmal im Monat machen, auch am Telefon.

Fazit

Ein Kontaktformular zu optimieren ist keine Designaufgabe, sondern eine Frage der Haltung: Nimmt das Formular die Unsicherheit des Gegenübers ernst, oder sammelt es Daten? Weniger Felder, eine klare Antwortzusage, ein ehrlicher Satz zum Ablauf und eine Bestätigung, die etwas sagt — damit bewegt sich in der Regel mehr als mit jedem Redesign.

Woran es konkret hängt, zeigt der Blick darauf, wie ein Website-Check abläuft. Wie ich Struktur und Texte grundsätzlich angehe, steht unter Website erstellen lassen. Tiefer in die Psychologie dahinter geht dieser Beitrag über psychologische Prinzipien. Oder gleich ausprobieren und kurz schreiben.

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Rita Sieber
Geschrieben von

Rita Sieber

Webdesignerin und Wirtschaftspsychologin aus Ingolstadt. Ich baue Websites für Betriebe, bei denen die Inhaberin oder der Inhaber selbst mit am Tisch sitzt – und fange dabei mit Fragen an, nicht mit Farben.

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